Trau, schau, wem

In mir schlummert ja so ein grundsätzlich am rechten Rand verhärteter Bauer, aus Frust über Globalisierung und Subventionsstreichungen auch radikalen Formen der Politikgestaltung zugänglich. In Eigentherapie mit linken Blättchen und Anti-Depressiva zum zwischenzeitlichen SPD-Wähler verkommen. Seit diese aber in ihrem Identitätsstreit ist müsste ich mich kühl analysierend eigentlich als ein Grüner Realo definieren, gäbe es nicht die Piratenpartei. Denn ohne Internet ist alles nichts, wie wir mittlerweile durch Alltagserfahrungen wissen. Und da es die letzte Bastion der Freiheit ist, wo realitätsfremde, globalisierungsignorierende Gesetzgeber aufgrund erschwerter Durchsetzung bisher noch nicht all zuviel Schaden anrichten konnten, lohnt es sich um sie zu kämpfen.
Leider ist die Piratenpartei kein all zu scharfes Schwert, steckt sie doch noch mindestens die nächsten zehn Jahre in Gründungsquerelen fest, und selbst dann ist eine Vereingung von Nerds zwar sympatisch aber mit einer medialen Durchschlagskraft von unter einem Sarrazin.
Aufgrund des Polit-Filzes in Deutschland, der basisdemokratische Ideen so wertvoll findet wie eine 17-jährige Friseuse eine Kieferklammer, werden sich diese Ideen, so gut sie auch sein mögen (Stichwort: LiquidDemocracy (aktueller Erfahrungsbericht PP Berlin)) nur schwerlich durchsetzen können. Zusätzlich ist es auch ein leichtes, bei bisheriger Pluralität und Richtungslosigkeit die Partei zu unterwandern und noch bevor sich eine eigene Identität gebildet hat, die Aussenwirkung zu verwaschen, was sicherlich zu einer Stagnation bei den Mitgliederzahlen führen wird.
Auch eine moderne, pluralistische Web-Partei braucht Identität, und die kommt nach wie vor über Leute, Politiker die mit ihrem Kopf Werbung machen. Authentizität und gleichzeitig Gespür für die Richtung der Entwicklung der noch jungen Partei sind von Nöten. Dazu sind erfahrene Köpfe notwendig. Doch diese werden wissen, dass das Risiko hoch ist, sich vor einen Karren spannen zu lassen, dessen Kutscher man nicht kennt.
Das haben die Grünen der Piratenpartei mittlerweile voraus, aber es ist nichts was nicht auch in Zeiten von Web2.0 zu schaffen wäre. Auch wenn die Feindbilder noch komplizierter sind, als sie es zu Bündnis'90/Die Grünen-Gründungszeiten schon waren.


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textfragmente aus der terrorzelle

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