Kathrin Passig erklärt die mediale Ausschlachtung des Hype-Zyklus

Passig: Diese Phasen finden sich nicht nur beim Internet als Ganzem oder seinen einzelnen Erscheinungen, sondern in der Berichterstattung über alle technische Neuerungen, auch das Telefon, das Flugzeug oder die Schreibmaschine. Zuerst heißt es "Wozu soll das denn gut sein?", dann folgt "Das braucht doch nun wirklich kein Mensch" und "Ich brauche das jedenfalls nicht. Das ist nur was für Terroristen und picklige junge Männer."
Als Nächstes behauptet man "Das ist doch nur wieder so eine Phase", dann "Na gut, es geht also nicht mehr weg, aber ändern wird sich dadurch nichts!" Schließlich sieht man ein, dass das neue Ding manche Vorteile hat und klagt jetzt, es sei ja aber noch gar nicht perfekt, und außerdem viel zu teuer. Wird das Neue dann preiswerter und attraktiver, muss man sich wiederum Sorgen machen, was passiert, wenn Frauen, Kinder und andere leicht beeindruckbare Gemüter damit konfrontiert werden.
Am Ende stehen Etikettefragen (Handytelefonate in der Öffentlichkeit pro und contra) und im Falle von Techniken, die mit Denken, Lesen oder Schreiben zu tun haben, die Sorge, sie könnten unser Denken, Lesen oder Schreiben verändern - natürlich zum Schlechteren. Dann wird etwas Neues erfunden, und alles geht wieder von vorne los. Ein solcher Zyklus scheint im Moment etwa zehn bis fünfzehn Jahre zu dauern.

[via tagesschau.de]

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